Vorwort des Presbyteriums

Liebe Eltern !

In einem Artikel über die Zielsetzung einer evangelischen Kindertageseinrichtung las ich folgende Sätze :

“ Der Kindergarten hat in einer ... vom Zukunftsdruck beherrschten
Welt Raum und Zeit für das gegenwärtige Leben des Kindes zu ge-
währen. Die Erzieherinnen schauen das Kind an, wie es jetzt ist, und
nicht unter dem Gesichtspunkt, was man aus ihm alles machen könnte,
was es noch sein sollte und werden müsste.” (K.E. Nipkow)


Mir haben diese Sätze gefallen, und es wäre schön, wenn es uns gelingt, in unserer Einrichtung entsprechend zu leben und zu arbeiten:
Als Anwälte des gegenwärtigen Lebens unserer Kinder. Gewiss: Auch Kinder leben nicht außerhalb der Zeit und der gesellschaftlichen Realität. Leben heißt Lernen und das lebenslang. Der allgemeine Leistungsdruck macht vor ihnen nicht halt, und als Eltern haben wir unseren Anteil daran. Aber dass unsere Erwartungen und Ansprüche an unsere Kinder zugleich kritisch begrenzt werden und ihnen eine kindgemäße Zeit- und Lebensform erhalten bleibt, das ist notwendig und unverzichtbar.


Daraus ergibt sich ein zweites : Die zitierten Sätze von K.E. Nipkow bringen eine wichtige Dimension unseres evangelischen Glaubens zum Ausdruck: Jeder hat das Recht, so zu sein, wie er ist, denn Gott nimmt einen jeden von uns an, so wie er ist. Noch einmal: Auch der Kindergarten hat die Aufgabe, unsere Kinder auf den Ernst des Lebens vorzubereiten. Er soll ihre persönlichen und sozialen Fähigkeiten fördern. Evangelisch wird diese allgemeine pädagogische Zielsetzung erst dann, wenn jedes Kind die Erfahrung machen kann : Ich werde um meiner selbst willen geachtet und geliebt.


Diese Anwaltschaft des evangelischen Kindergartens für den gegenwärtigen Lebensaugenblick findet im Alltag unserer Einrichtung vielfältigen Ausdruck (im Spiel, im Gesang, in der gemeinsamen Mahlzeit u.s.w. ). Die Vielfalt hat wiederum ihren gemeinsamen Bezugspunkt in der Feier des Gottesdienstes, zu der wir Ihre Kinder und Sie als Eltern und Angehörige immer wieder einladen. Im gottesdienstlichen Sprechen, Erzählen, Beten, Musizieren und Brotbrechen betreten Erwachsene und Kinder gemeinsam jenen “Zeit-Raum”, der von Zukunftsdruck und Zukunftsangst entlastet, weil er von der Verheißung der Gegenwart Gottes getragen ist.


Bei allen finanziellen und strukturellen Schwierigkeiten - das Presbyterium von St. Nicolai hält weiterhin Kindergartenarbeit in evangelischer Trägerschaft für eine wichtige Aufgabe. Wir freuen uns, dass Sie als Eltern Vertrauen zu uns als Träger und zu unseren Mitarbeiterinnen gefasst haben. Wir hoffen sehr, dass dieses Vertrauen nicht enttäuscht wird.

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